Boeing Aktienanalyse

Boeing Aktienanalyse

Überblick der Boeing Aktienanalyse

  • Geschäft teilt sich in vier Geschäftsbereiche auf: Commercial Airplanes (42%), Defence&Space (34%), Globale Service (24%) und Boeing Capital (0,5%)
  • zweitgrößter Flugzeugbauer und einer der größten Rüstungskonzerne weltweit
  • 50% des Umsatzes aus den USA, starke Abhängigkeit der US-Regierung
  • 24% Umsatzeinbruch durch 737-Krise
  • Renditeerwartung bei einem Aktienkurs von 132€ bei -4,6%, somit aktuell kein Kauf für mich!

Geschichte im Rahmen der Boeing Aktienanalyse

Boeing blickt auf eine über 100 jährige Geschichte zurück und wurde 1916 von dem Ingenieur William Edward Boeing gegründet. Dieser war anfangs in der Holzverarbeitung tätig und konnte die Holz-Kenntnisse bei seinem ersten Flugzeug, dem B&W Seaplane, anwenden. 

Relativ schnell nach der Gründung begann die Expansion der Boeing Company. Die Entwicklung bis zum heutigen Konzern besteht aus vielen Station, wobei ich die wichtigsten genauer erläutern werde:

Boeing Aktienanalyse
Entstehung der Boeing Company Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boeing.svg

Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Boeing Air Transport 1926 begann die Erfolge von Boeing. Die erstelle sehr lukrative Station waren Postflüge zwischen Chicago und San Francisco, die man später weiter ausbaute.

Bis es 1934 zu rechtlichen Unregelmäßigkeiten im Postflugverkehr kam und die Unternehmensgruppe in United Airlines und United Aircraft aufgespalten werden musste. Der Gründer William Boeing schied daraufhin aus seinem Unternehmen aus.

Durch den zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg wurde Boeing schnell zu einem der größten Produzenten von Bombenflugzeugen. Als eine immer längere Reichweite der Flugzeuge notwendig war, wurde viel investiert bis sie schnell zum größten Flugzeugbauer der Welt wurden. 

In den 1950er Jahren fing Boeing mit der Produktion von Interkontinentalraketen und Mondraketen an. Zum Beispiel wurde die erste Mondrakete (Saturn V.) gebaut. 

1997 kam es mit der Übernahme des Flugzeugbauers McDonnell Douglas (Bild: hell Blau) und Rockwell International (Bild: violett). Somit blieben in zivilen Luftfahrt nu noch Airbus und Boeing übrig.

Entwicklung von Boeing seit dem Terroranschlag 2001:

Die Terroranschläge am 11. September 2001 haben besonders Boeing hart getroffen. Keine Airline war bereit neue Flugzeuge zu kaufen. Es folgte eine Reihe von Schwäche: Es wurden immer mehr Marktanteile an Airbus verloren, Aufträge an Lockheed Martin verloren und Columbia-Unglück

Außerdem wurden die Maschinen 757 und 767 seit dem Anschlag kaum mehr bestellt, sodass die Produktion eingestellt wurde. Dieses wurden aber durch das neue Modell 787 (Dreamliner) abgelöst. 

Erst 2005 hat man sich endgültig von der Krise 2001 erhohlt, bis 2010 die Nachfolgen der Finanzkrise folgten und die Nachfrage wieder eingebrochen ist. 2012 hat man dann allerdings seit langer Zeit wieder mehr Flugzeuge als der direkte Konkurrent Airbus ausgeliefert und überholte diesen. 

 

Management von Boeing

Die 737-Max Krise führte zu einem Vorstandswechsel bei Boeing. Dennis Muilenburg wurde von seinem Nachfolger David Calhoun Ende 2019 abgelöst. 

David Calhoun hat zuvor 7 Jahre bei der Nielsen Company (Marktforschungsunternehmen) gearbeitet und dieses auch an die Börse gebracht. Durchgehend seit 2009 war er auch im Verwaltungsrat von Boeing tätig.

Aktionärsstruktur

Mit 44,4% ist doch der Großteil der Aktien in eigenem Besitz. Dieser hohe Anteil ist auf die massiven Aktienrückkäufe zurückzuführen wobei jährlich 30 Mio eigene Aktien gekauft wurden!

Meiner Meinung nach ist der gemeinsame Anteil über 13,2% von BlackRock und Vanguard recht gefährlich. So werden die Vermögensverwalter immer wieder als ,,sehr gefährliche“ Unternehmen bezeichnet, die das Finanzsystem ins Wanken bringen können.

Der zweite Punkt an dem ich mich dort störe, ist, dass der Großteil über ETFs läuft. Dort kommt es zu dem Problem, dass viele Anleger der passiven Strategie ihr Stimmrecht nicht wahrnehmen und es somit zu immer weniger Beteiligung an den HVs kommt. 

 

 

Geschäftsmodell im Rahmen der Boeing Aktienanalyse

Grundsätzlich ist das Unternehmen Airbus-Group in drei Geschäftsbereiche unterteilt, auf die ich nun eingehen werde:

  • Commercial Aircraft
  • Defense, Space & Security
  • Global Services
  • (Boeing Capital)

 

 

Boeing Commercial Airplanes

Wie auch beim Konkurrenten Airbus ist das Hauptgeschäft seit der Gründung die Entwicklung und der Bau von Verkehrsflugzeugen. Dabei ist Boeing hinter Airbus der zweitgrößte Flugzeugbauer der Welt und beschäftigte 2017 rund 72500 Mitarbeiter. Die meisten Fertigungs- und Montageanlagen sind dabei in den USA. 

Dabei hat Boeing zahlreiche Modelle im Angebot: Die am meisten verkaufte Maschine mit (ca 7000) ist die Familie der 737 Maschinen, die über eine hohe Reichweite und große Kapazität verfügen. Aber Boeing hat auch zahlreiche Businessjets oder Privatjets im Angebot, die besonders für kleinere Personengruppen geeignet sind. 

Boeing Defense, Space & Security

Einen enormen Anteil am Umsatz kommt auch aus diesem Segment. So ist Boeing Defense, Space & Security das zweitgrößte Verteidigungsunternehmen der Welt! Dabei haben sie ein sehr breit gefächertes Produktportfolio von: Bomberflugzeugen, Kampfflugzeuge, Transportflugzeuge, Raketen, Satelliten…  So waren 2015 rund 51000 Menschen im Segment beschäftigt. 

Global Service

Die weltweit verbreiteten Maschinen von Boeing benötigen regelmäßige Wartungen, somit werden in diesem Segment alle Dienstleistungen für Handels- und Verteidigungskunden zusammengefasst. Die umfassen zum Beispiel: Wartung und Modifikation, Upgrades oder Schulungen von Piloten.  Dabei fallen aufgrund des starken militärischen Geschäftes  50% der Dienstleitung über staatliche Aufträge an. 

Boeing Capital

Obwohl Boeing Capital nur 0,3% vom gesamten Umsatz ausmacht, finde ich das Segment sehr interessant. Boeing möchte sicherstellen, dass die Kunden über die nötige Finanzierung für einen Kauf verfügen. Daher verwalten sie das Finanzrisiko selber, wie die Leasingverhältnisse, Finanzierungen, Schuldverschreibungen oder andere Forderungen. Dabei bieten sie ihre Finanzdienstleistungen sowohl in der Commercial Aircraft als auch im Space&Defence Segment an.

Umsatzaufteilung nach Regionen im Jahr 2019

Im Jahr 2019 wurde 50% des Umsatzes in den USA gemacht! Diese starke Gewichtung der USA liegt an der Sparte der Sicherheit & Raumfahrt. Wobei dort zu vermuten ist, dass fast der ganze Umsatz aus den USA kommt. Genau zahlen findet man dort leider nicht.

Den zweiten Platz aber nur noch mit ca 12% teilen sich Europa und Asien (ohne China). Wobei dann nur noch 6% des Umsatzes in China gemacht wird. 

 

 

Wachstumszahlen in der Commercial Aircraft

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Wachstumszahlen der ausgelieferten Maschinen in den Jahren 2017,2018,2019

 

Die Wachstumszahlen der beliebtesten Maschinen der Passagierflugzeugen sehen ziemlich schlecht aus. Da die Produktion und Auslieferung der 737 gestoppt wurde, ist auch das Wachstum zum stehen gekommen. Leider sieht man aber, dass der Ausfall nicht mit anderen Modellen kompensiert werden konnte! 

historische Skandale von Boeing 

Im Jahr 2007 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen zahlreichen Airlines und Boeing die gegen das FBI und die CIA geklagt haben. Basis war die Klärung ob sie eine Mitschuld an den Terroranschlägen am 11.September trugen. 

Ein weiteres klassisches Streitthema ist die Finanzierung/Staatliche Subvention der USA. So beschwert sich die EU regelmäßig über den Verstoß gegen das ,,Übereinkommen über Subvention und Ausgleichsmaßnahmen“ und somit für unfairere Wettbewerbsbedingungen dem europäischen Konkurrenten Airbus gegenüber. Hingegen kritisiert Boeing genauso die Subventionen die von der EU an Airbus gehen. Ein Verstoß ist allerdings nur sehr schwer zu beweißen, da die Staaten selber Kunden sind und somit erhöhte Preise bewiesen werden müssten. 

Die schlimmste und aktuellste Krise ist in Folge der Abstürze Oktober 2018 und März 2019 von der Boeing 737 Max 8. Beide Fälle sind auf einen fehlerhaften Defekt eines Sensors zurückzuführen, der in die Steuerung eingreift und das Flugzeug nach unten drückt. Es wurden Flugverbote und ein Produktionsstopp der Maschine angeordnet, der Boeing den größten Konzernverlust aller Zeiten einbrachte. Da das Modell wohl bis Mitte/Ende 2020 keine neue Zulassung bekommen wird, werden hohe Kompensationszahlungen an die Airlines notwendig sein. So gehen bisherige Schätzungen von 13 Milliarden Dollar aus!

SWOT Analyse in der Boeing Aktienanalyse

SWOT Analyse Boeing; Aktienanalyse Boeing
Mögliche SWOT Analyse von Boeing während der Corona Krise 2020

Viele Punkte der SWOT Analyse ähneln sich mit den Punkten aus der Analyse von Airbus. Auch für Boeing gilt der Burggraben durch Know-How und Kapitalaufwand der Branche und die Duopolstellung im Bereich der Großraumflugzeuge als Stärke. Die besondere Stärke die ich bei Boeing aber sehe sind die langfristigen Verträge mit der NASA. Die jährlichen staatlichen Aufträge geben Boeing eine Planungssicherheit in ihrem Geschäft.

Die aktuell klarste Schwäche ist die 737-MAX-8 Krise. Stand Mai 2020 sind die Maschinen immer noch nicht zugelassen und es wird weiter Geld verbrannt! So wurden bisher noch weitere 400 Maschinen gebaut ohne, dass diese einen Käufer gefunden haben. So wird die Belastung durch die Krise auf ca 18 Mrd USD geschätzt. Die zweite Schwäche ist die Abhängigkeit von der US-Regierung. Da Boeing doch rund 35% ihres Umsatzes im Segment ,,Defence and Space“ machen, sind die Aufträge der US Regierung doch ziemlich wichtig. Genauere Zahlen werden aber logischer Weise nicht veröffentlicht.

Wie auch für Airbus gilt die Chance, dass nach der Corona Krise die Airlines auf die Neuerung ihrer Flotte setzten könnte. So könnten alte Modelle, die hohe Wartungskosten verursachen durch neue Maschinen ausgetauscht werden. Boeing setzt in ihrer Produktion speziell auf Sonderanfertigungen für ihre Kunden. So könnte aus einer zukünftigen Sonderanfertigung eine neues Modell entstehen.

Dem ganzen stehen zahlreiche Risiken gegenüber. Durch die 737-Krise und weitere aufgedeckte Mängel der Qualität, könnte Boeing langfristig Marktanteile an Airbus verlieren. Ganz klar ist auch, dass eine zweite Infektionswelle der Corona-Pandemie für zahlreiche Pleiten der Airlines sorgen würde. So würde Boeing keine Abnehmer der Maschinen finden. Auch die  COMAC C919, das erste in China entwickelte Passagierflugzeug, könnte Boeing Probleme machen. So ist Asien und speziell China einer der größten Wachstumsmärkte für Boeing, in dem sie ab 2021 wohl Marktanteile verlieren werden, 

Bewertung im Rahmen der Boeing Aktienanalyse

Umsatzentwicklung und Wachstum

 

 

 

 

Wie das Umsatzwachstum pro Jahr zeigt, ist die Umsatzentwicklung von Boeing doch sehr volatil. Die beiden Geschäftsjahre 2012 und 2019 stechen durch ihre extrem Entwicklung doch hervor. So hat es Boeing 2012 nach langer Zeit erstmals wieder geschafft mehr Flugzeuge auszuliefern als der Konkurrent Airbus. Dies liegt besonders an einer gescheiterten Fusion von Airbus. 

Der Umsatz 2019 ist aufgrund der 737 Max 8 Krise um 24% eingebrochen und das noch vor der Corona-Krise! So beträgt das Umsatzwachstum auf 10 Jahre gerechnet nur 1,8% und auf 5 Jahre ist es sogar negativ mit -2,3%. 

Gewinnentwicklung und operative Marge

 

 

 

 

2017 und 2018 konnte Boeing noch jährlich neue Rekorde der Auslieferungszahlen und somit im Gewinn feiern, bis aber zur 737Krise. Der Gewinn ist vom Allzeithoch auf -600 Mio USD zusammen gekracht! 

Vor dem Geschäftsjahr 2019 lag die operative Marge stabil zwischen 6-8% bis sie 2019 auf -3% schrumpfte. Somit ist die Operative Marge rund 4% höher als beim Konkurrenten Airbus. Meine Vermutung ist, dass es an der starken militärischen Sparte von Boeing mit der USA als Hauptabnehmer liegt. Vermutlich wird der Staat auch höhere Preis in Kauf nehmen und somit die Operative Marge in die Höhe drücken. 

Dividendenentwicklung der letzten 10 Jahre

 

 

Da der Konkurrent Airbus ein klar zyklischer Dividendenzahler ist, würde man dies auf den ersten Blick annehmen scheint aber nicht so. So zahlt Boeing seit 50 Jahren eine Dividende und hat diese auch seit nun 2010 gesteigert. Dabei betrug das Dividendenwachstum seit 2010 unglaubliche 17% pro Jahr. Dabei wurde die Dividende im letzten Jahr bei einem Verlust pro Aktie von -1,12USD massiv aus der Substanz bezahlt!

Diese Dividendenhistorie hat aber im März 2020 ein Ende. Durch die 737Krise und die Corona Krise sind Dividendenzahlungen gestrichen worden.

Piotroski F-Score von Boeing

F-Score Boeing 2020; Aktienanalyse Boeing
Der aktuelle Piotroski F-Score von Boeing im Jahr 2020

 

Um noch die Finanzlage einschätzen zu können schaue ich mir immer den Priotroski F-Score an. Aktuell beträgt der Score nur 2/9 Punkten. Der Median des Scores liegt bei Boeing bei 6/9. Lediglich die Anzahl der Aktien wurde nicht erhöht und die kurzfristige Liquidität deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Dies liegt an den 25 Mrd die sich Boeing über ausgegebene Anleihen geholt hat. 

Szenarioanalyse in der Boeing Aktienanalyse

Szenarioanalyse Boeing Aktienanalyse Boeing
Mögliche Szenarioanalýse von Boeing während der Corona-Krise

 

Um die Entscheidungsfindung zu erleichtern und um ein Kursziel zu ermittel, habe ich eine Szenarioanalyse durchgeführt. Jeder Investor sollte die Analyse mit seinen eigenen Annahmen durchführen. Ich habe diese Analyse bei einem aktuellen Kurs von 132€ durchgeführt. 

Meine Annahmen:

Beim Umsatzwachstum habe ich mich grundsätzlich an der Management Aussage: ,,Wir rechnen damit, dass wir 3-5 Jahre brauchen um auf den alten Stand zu kommen“ orientiert. Diese Aussage bezieht sich auf die Sparte der Commercial Aircraft. Da diese aber nur 40% des Umsatzes ausmacht, bricht der Umsatz vergleichsweise gering ein. Somit bin ich von einem Umsatzeinbruch von nur 15% für 2021 ausgegangen. Ich rechne aber für das folgende Jahr mit einer V-förmigen Erholung. Es ist mit einer neuen Zulassung der 737 zu rechnen. Für die kommenden 4 Jahre gleicht sich das Umsatzwachstum wieder der der Branche an.

Wie oben beschrieben, lag die historische Marge zwischen 6-10%. Mit dem geschätzten Umsatz 2025 und der Marge, lässt sich ein operativer Gewinn berechnen.

Der Steuersatz der letzten Jahre schwankte zwischen 10-16%, sodass ich mit 13% gerechnet habe. Die Anzahl der ausstehenden Aktien beträgt 1012 Mio Aktien. Das historische KGV der letzten 10 Jahre lag zwischen 18-22. 

Inklusive einer Margin of Safety von 10% ergibt sich ein Kursziel von 104€, somit eine Ø Renditeerwartung von -4,6% für den Neutral Case. 

Fazit der Aktienanalyse zu Boeing

Boeing gibt es schon lange und wird es vermutlich auch noch länger geben, nur ist die Frage wie stark die Erholung ausfallen wird. Für mich ist die Aktie aktuell kein Kauf! Das Chancen-Risiko-Verhältnis passt meiner Meinung nach nicht zum aktuellen Preis der Aktie. Die langfristigen Auswirkungen der 737 Krise sind noch nicht abzusehen, Cash-Burn durch die Corona-Pandemie und das abschwächende Wachstum im Flugverkehr.

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